Müll in der Stadt und drum herum

Müllentsorgung in einer Millionenstadt ist eine besondere Herausforderung. In Wien sind die 48er seit fast 80 Jahren dafür zuständig. Jenseits der Grenzen der Bundeshauptstadt kümmert sich der AWS um die Abfallwirtschaft in 15 Gemeinden im Raum Schwechat. Heraus fordernd ist die Arbeit auch dort.

 

Für Sprüche wie „Bleiben Sie ein OptiMIST“ oder Namen wie „Kehr Force – Mobile Spezialeinheit“ wird die Magistratsabteilung 48 – Abfallwirtschaft, Straßenreinigung und Fuhrpark (MA 48) in Wien – und darüber hinaus – gekannt und gemocht. Bereits seit knapp 80 Jahren sorgt die Abteilung für die Sauberkeit in der Bundeshauptstadt. Gegründet wurde die MA 48 vom damaligen Bürgermeister Theodor Körner. Ihre Anfänge fielen also in die Zeit des Wiederaufbaus. Wien lag nach dem Zweiten Weltkrieg in Trümmern. Rund 850.000 m² Kriegsschutt zerbombter Gebäude und 200.000 m² Mist mussten von den Straßen geräumt werden.

Denn in den letzten Kriegsjahren war die Müllabfuhr zum Erliegen gekommen. Bereits damals war die MA 48 nicht nur für die Müllabfuhr, sondern auch für die Straßenreinigung, den Winterdienst, die öffentlichen Toiletten und den städtischen Fuhrpark verantwortlich.

Vom Vergraben zum Verbrennen

Durch den Wiederaufbau und den wirtschaftlichen Aufschwung stiegen die Müllmengen in Wien stark an. Der Müll wurde zu dieser Zeit einfach in Gruben verfüllt. Gegen Ende der 50er-Jahre erkannte man die Endlichkeit dieser genutzten Deponien. Man musste sich also neuen Wegen der Abfallbehandlung zuwenden: der thermischen Abfallverwertung. 1963 wurde dann die erste Wiener Müllverbrennungsanlage am Flötzersteig eröffnet. Sie ist noch immer – gemeinsam mit den beiden anderen Anlagen in der Spittelau und Pfaffenau – in Betrieb. Heute werden jährlich 575.000 Tonnen Abfall recycelt. Mehr als 526.000 Tonnen Restmüll und Sperrmüll werden von den städtischen Verbrennungsanlagen in Strom und Fernwärme umgewandelt.

Vom Pferd zur E-Mobilität

Eine zentrale Rolle zur Bewältigung dieser Mengen spielen die Fahrzeuge der MA 48. Der Fuhrpark hat sich in den letzten 80 Jahren stark verändert. Zu Beginn wurden noch pferdegezogene Schneepflüge gebraucht. Heutzutage sind moderne Winterdienstgeräte, Kehrmaschinen und Müllsammelfahrzeuge im Einsatz. Seit 2019 ist auch Österreichs erstes vollelektrisches Müllsammelfahrzeug unterwegs. Mit einer Reichweite von bis zu 100 Kilometern sind dem Lkw innerhalb von Wien keine Limits gesetzt. Das Fahrzeug gelangt somit auch bis in das letzte Eck von Floridsdorf – dem 21. Wiener Gemeindebezirk. Dort, wo die Hausnummer 315 das Ende der Brünner Straße in Wien markiert und wo mit der Hausnummer 1 die Brünner Straße in Gerasdorf anfängt.

Seit 2019 ist auch Österreichs erstes vollelektrisches Müllsammelfahrzeug unterwegs. Mit einer Reichweite von bis zu 100 Kilometern sind dem Lkw innerhalb von Wien keine Limits gesetzt. Das Fahrzeug gelangt somit auch bis in das letzte Eck von Floridsdorf – dem 21. Wiener Gemeindebezirk. Dort, wo die Hausnummer 315 das Ende der Brünner Straße in Wien markiert und wo mit der Hausnummer 1 die Brünner Straße in Gerasdorf anfängt.

Vom Norden bis in den Süden

Genau dort – an der Grenze zwischen der Stadt Wien und der Stadtgemeinde Gerasdorf – beginnt das Aufgabengebiet des Abfallverbands Schwechat (AWS). Dabei handelt es sich um den Gemeindeverband für Abfallwirtschaft im Raum Schwechat. Der AWS zählt 15 Mitgliedsgemeinden, wobei alle – bis auf Gerasdorf – südlich der Donau liegen, jedoch ebenfalls in unmittelbarer Nähe zur Großstadt. Berührungspunkte der Müllentsorger*innen von Wien und dem niederösterreichischen Umland gibt es nur selten. „Wir merken es meist nur, wenn es in unseren Gemeinden Zuzug aus Wien gibt“, erklärt Jürgen Maschl, Geschäftsführer des AWS. „Da prallen dann kurzzeitig Welten aufeinander, weil beispielsweise der Restmüll in der Bundeshauptstadt wöchentlich, vielerorts sogar zweimal pro Woche geleert wird, und in unseren Gemeinden teilweise nur einmal im Monat.“ Zuzug gibt es im sogenannten Wiener Speckgürtel ausreichend. Viele Menschen suchen die Nähe der Großstadt und wollen trotzdem die Vorteile einer kleinstrukturierten Wohnumgebung. Dieses Wachstum wirkt sich auch auf den Abfallverband Schwechat aus.

Begonnen hat alles im Jahr 1992. Durch die Deponieknappheit in den Gemeinden wurde der Bedarf einer gemeinschaftlichen Abfallwirtschaft offensichtlich. Bis auf das bereits erwähnte Gerasdorf und Fischamend waren alle aktuellen Mitgliedsgemeinden von Beginn an dabei.

 

„Anfänglich gab es zweieinhalb Angestellte, mittlerweile beschäftigen wir um die 50 Menschen bei uns in den Sammelzentren, Wirtschaftshöfen und im Büro“, sagt Maschl. Er selbst ist seit 1996 – mit Unterbrechung – im Verband tätig. Ein Jahr später erlangte man die Gebührenhoheit von den Gemeinden. „Das hat uns die Arbeit stark erleichtert und den Service für die Kund*innen verbessert.“ Mittlerweile nehmen mehr als 35.000 Haushalte die unterschiedlichen Angebote des AWS in Anspruch. In den letzten knapp 25 Jahren haben sich die Aufgaben stark verändert, und der Tätigkeitsbereich hat sich vergrößert. Besonders stolz ist Maschl auf das Re-Use-Projekt: „Dabei sammeln wir noch funktionstüchtige Gegenstände, die von Menschen weggeworfen werden, und geben diese an die Volkshilfe weiter.“ Die Mitarbeiter*innen des sozial-ökonomischen Betriebs sichten die Objekte und bereiten sie für den Verkauf vor. Es sind Initiativen wie diese, die zeigen, wie zukunftsorientiert der Abfallverband Schwechat arbeitet. „Diesen Ansatz wollen wir auch unbedingt beibehalten. Die Abfallwirtschaft ist ein sich ständig verändernder Sektor. Wir müssen immer am Ball bleiben“, schließt Maschl.

 
Aktualisierte Fassung / Originalfassung erschienen in der ersten Ausgabe von „Wir erzählen nur Müll“ im Juni 2021.
Text: buero balanka
Foto: AWS, MA 48 (Felicitas Maltern), MA 48 (Christian Fürthner), Rudolf Schmied
 
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