Wenn sich nur der Dampf in Luft auflöst
E-Zigaretten stellen für viele Menschen eine Möglichkeit dar, vom Nikotinkonsum wegzukommen oder gar nicht erst damit zu beginnen. Dabei sind sie keine gesunde Alternative. Die häufig verwendeten Einwegprodukte sind sogar eine Gefahr für die Umwelt.
Jahrzehntelang waren herkömmliche Zigarettenstummel das mit Abstand größte Problem, wenn es um Zigaretten in Zusammenhang mit Müll ging. Voll mit Giftstoffen – von Nikotin und Teer über Blausäure und Dioxine bis hin zu einer Vielzahl von Schwermetallen –, werden sie in großen Mengen produziert und konsumiert und anschließend oftmals einfach auf den Boden geschmissen. Auch heute noch landen allein in Wien 868 Millionen Zigarettenstummel pro Jahr ebendort. Damit zählen sie noch immer zu den am häufigsten in der Umwelt entsorgten Gegenständen. Doch man könnte sagen: Auch vor Zigaretten macht die Digitalisierung nicht halt. Denn vor mehr als 20 Jahren erfand der chinesische Apotheker Hon Lik die E-Zigarette im heutigen Sinn. 2006 kamen die ersten Modelle – nach behördlicher Zulassung – in Europa auf den Markt. Seither hat sich das Angebot stark differenziert. Große Unternehmen haben viel Geld in Marketing investiert, um aus den E-Zigaretten coole und vor allem bei jungen Menschen beliebte Produkte zu entwickeln. Die Verpackungen sind bunt und die fruchtigen Geschmacksrichtungen suggerieren gesunde Inhalte. Auch das Naming wurde an die Zielgruppe angepasst. So wurden aus E-Zigaretten erst Verdampfer und dann Vaporizer oder Vapes.
Alles cool?!
Wohl nicht ganz. Denn auch E-Zigaretten sind natürlich weit weg davon, gesund zu sein. So zeigt beispielsweise eine Studie des Instituts European Translational Oncology Prevention & Screening (EUTOPS) – der Universität Innsbruck und des Landes Tirol –, dass mit Krebs assoziierte Zellveränderungen auch bei Konsument*innen von E-Zigaretten feststellbar sind, die früher nicht oder kaum geraucht hatten. Und nicht nur die Auswirkungen auf die Gesundheit der dampfenden Menschen sind negativ. Besonders die vielfach verwendeten Einwegprodukte stellen eine Gefahr für die Umwelt dar.
Jede Einweg-E-Zigarette beinhaltet eine Lithiumbatterie. Aus ihr speist sich der Strom, der die Flüssigkeit (E-Liquid) erhitzt und verdampft. Bei wieder aufladbaren E-Zigaretten werden Lithium-Ionen-Akkus verbaut. Im Restmüll landen nach dem Gebrauch oftmals beide. Bei Einwegprodukten ist dies natürlich schneller und öfter der Fall. Gefährlich ist es so oder so. Denn wenn Lithiumbatterien und -akkus mechanisch verletzt werden, ist die Explosions- und Brandgefahr eine wesentlich höhere als bei herkömmlichen Batterien. In Österreich landen im Jahr insgesamt drei Millionen Lithiumbatterien im Restmüll. Das entspricht zwei Lithiumbatterien pro Tonne Abfall. Dabei gibt es für Einweg-E-Zigaretten durchaus eine Vielzahl an Rückgabemöglichkeiten: im Elektrohandel oder in Trafiken und natürlich bei städtischen Mistplätzen und den Recyclinghöfen der Gemeinden. Aber ein Pfandsystem fehlt bisher gänzlich. Aber es geht nicht nur um die Entsorgung der Batterien. Auch die nikotinhaltige Flüssigkeit muss gesondert entsorgt werden. Schließlich beinhaltet sie auch Benzoesäure, Benzylalkohol, Glycerin und Duftaromen. Darum muss sie in einem Gefäß gesammelt und zu Abgabestellen für gefährliche Abfälle gebracht werden.
Erschienen in der dritten Ausgabe von „Wir erzählen nur Müll“ im März 2025.Text: buero balankaFoto: Ian Ehm