Unnützes Müllwissen - Teil 3
In manchen Ländern werden Menschen – und Tiere – für das Sammeln von Müll belohnt, in Wales hat ein Mann hingegen über 700 Millionen Euro weggeschmissen. Franck Ribéry wiederum hatte offensichtlich Probleme mit dem Wegschmeißen.
Krähen gelten grundsätzlich als recht intelligente Vögel. Angeblich sind sie so schlau wie ein fünf- bis siebenjähriges Kind. So basteln sie sich beispielsweise Werkzeuge, die ihnen helfen, Maden von Stellen aufzusammeln, an die sie mit ihren Schnäbeln nicht hinkommen. Ein Start-up in Schweden hat sich deshalb gedacht: Wenn die so schlau sind, dann können die auch arbeiten. Mittels einer speziellen Maschine sollen die Krähen dazu trainiert werden, Zigarettenstummel einzusammeln. Jeder eingeworfene Stummel wird mit einer kleinen Futterration belohnt. 2022 wurde das Pilotprojekt gestartet, zum Erfolg gibt es noch keine gesicherten Informationen. Jedoch hielt Tomas Thernström von der Stadtverwaltung Södertälje schon zum Start des Projektes fest: „Es ist ein interessanter Gedanke, dass wir zwar Krähen beibringen können, Zigaretten einzusammeln, aber wir Menschen nicht beibringen können, sie nicht auf den Boden zu werfen.“ Ein ähnliches Projekt gab es auch schon im französischen Freizeitpark Puy du Fou – mit einem kleinen Unterschied: Während es sich in Frankreich um sechs dressierte Krähen handelte, sozusagen Fixangestellte, können in Schweden die wild lebenden Vögel eher als Freelancer gesehen werden. Flexible Arbeitsmodelle sind ja gerade heutzutage enorm wichtig.
Pay as you trash
In Indonesien, genauer gesagt in Surabaya, werden hingegen Menschen belohnt, wenn sie Müll aufsammeln: und zwar mit einem Busticket. Eine einstündige Busfahrt „kostet“ drei große oder fünf mittelgroße Plastikflaschen oder zehn Plastikbecher. Artikeln zufolge wurden durch das Programm monatlich bis zu sechs Tonnen Plastik gesammelt, die dann bei Auktionen an Recyclingunternehmen versteigert wurden. Ein ähnliches Konzept verfolgt auch der Mercado de Trueque in Mexico-City. Bei dem einmal im Monat stattfindenden Tauschmarkt können Bewohner*innen bis zu zehn Kilogramm Müll gegen regional erzeugte Lebensmittel eintauschen. Zudem verfolgt der Markt auch einen Bildungsauftrag, den der mitgebrachte Müll muss anhand der vorgegebenen Kategorien sortiert werden. Beim Eintausch werden zudem Tipps gegeben, wie man selbst zur Müllvermeidung beitragen kann.
In Südkorea wiederum kriegt man zwar nichts für den Müll, aber immerhin kann man sich durch einen bewussten Umgang einiges ersparen. Lebensmittelabfälle müssen strikt getrennt und in einer speziellen Tonne gesammelt werden – und zwar kostenpflichtig. „Pay as you trash“ nennt sich das System. Das heißt: Je mehr Lebensmittelabfälle entsorgt werden, desto höher sind die Gebühren. Das Ganze ist eine Maßnahme gegen Lebensmittelverschwendung.
Millionen auf der Müllhalde
Genau darauf zu achten, was man denn so wegschmeißt, lohnt sich also – das würde wohl auch der Waliser James Howells bestätigen. Der hat nämlich im Jahr 2013 irrtümlich eine Festplatte entsorgt. Darauf befand sich der Schlüssel zu seinem Wallet mit rund 8.000 Bitcoins. Und damit ein Vermögen von über 700 Millionen Euro. Seither versucht er eine Bewilligung zu erhalten, um auf der Mülldeponie nach der Festplatte zu suchen, unter anderem auch vor Gericht. Auch Pläne, die Deponie zu kaufen sowie eine geplante Doku-Serie scheiterten bislang. Die Stadt Newport bleibt indessen bei ihrem „Nein“: Die Suche würde Grabungen erfordern und somit gegen geltende Umweltgesetze verstoßen. Außerdem würde ohnehin alles, was auf der Deponie lande, in das Eigentum der Stadt übergehen.
Während Howells also „ein bisschen“ zu viel weggeworfen hat, hatte der ehemalige Fußballprofi und FC Bayern-Star Franck Ribéry eher ein umgekehrtes Problem. Er dürfte während seiner Zeit in München nämlich keinen ganz nachbarschaftsverträglichen Zugang zum Thema Müll-Entsorgung gehabt haben. Oder anders gesagt: Er hat seine Müllsäcke wohl einfach im Garten seiner Villa gelagert. Darüber haben dann diverse Nachbar*innen die Nase gerümpft, weshalb der FC Bayern angeblich einen Mitarbeiter beauftragt hat, dem Herrn Ribéry bei der Müll-Entsorgung unter die Arme zu greifen.
Erschienen in der dritten Ausgabe von „Wir erzählen nur Müll“ im März 2025text: buero balankaFotos: Kanchanara / Unsplash