Unnützes Müllwissen - Teil 2

Wissen ist nie unnütz, aber diese fünf Geschichten sind schon verdammt nahe dran. Obwohl! Wer weiß, ob man nicht irgendwann einmal bei Armin Assinger in der „Millionenshow“ sitzt und dann doch anders darüber denkt.

Die Herausforderungen für die Müllbeseitigung in europäischen Großstädten haben sich im Laufe der Jahrhunderte stark verändert. Mitte des 19. Jahrhunderts kam es aufgrund des starken Zuzugs in den Städten zu erhöhtem Verkehrsaufkommen. Der lokale Warentransport wurde zu dieser Zeit fast zur Gänze mit Pferdefuhrwerken bewerkstelligt, der öffentliche Personennahverkehr wurde von Pferdebahnen übernommen und der Individualverkehr der Wohlhabenden erfolgte fast ausschließlich mit Kutschen. Kurz gesagt: Es gab ziemlich viele Pferde in den Städten. Jetzt muss man sich mit den Unpaarhufern nicht sonderlich gut auskennen, um zu wissen, dass diese recht viel Mist machen. Zehn Tonnen pro Jahr und Tier, um genau zu sein. Und das war in den Großstädten seh- und riechbar. Die renommierte Londoner Tageszeitung „The Times“ prophezeite im Jahr 1894, dass bis 1950 die Straßen der Stadt mit bis zu drei Metern Pferdemist bedeckt sein werden. Nach Lösungen für das Entsorgungsproblem wurde fieberhaft gesucht. Dann kam doch alles ganz anders. Das Automobil setzte sich als Transportmittel durch und löste die Pferde in vielen Bereichen der Fortbewegung ab – sowohl für Waren als auch für Menschen.

Heutzutage gibt es nur noch wenige Pferde im urbanen Raum. Wien allerdings ist sowohl für seine Fiakerpferde als auch für die Lipizzaner der Spanischen Hofreitschule weltweit bekannt. Letztere produzieren rund 750 Tonnen Pferdeäpfel. Für die Entsorgung dieses Mists gibt es jedoch eine schlaue Lösung. Ein Großteil davon wird als Dünger für die rund 2.000 Rosen des Rosenpaterres und die Blumenbeete rund um Schloss Schönbrunn genutzt. Schließlich enthält Pferdemist Magnesium und viele Spurenelemente.

720 Kilo Taubenkot und Denker in Mülltonnen

Bis zu zwölf Kilogramm Nasskot produziert eine Taube pro Jahr. In der Bundeshauptstadt Wien leben laut Wildtierservice 50.000 bis 60.000 Tiere. Macht also bis zu 720 Tonnen Taubenkot pro Jahr. Auch nicht nichts.

Der antike griechische Philosoph Diogenes von Sinope soll der Überlieferung nach ohne festen Wohnsitz gewesen sein. Darum nächtigte er auch öfter in einem Vorratsgefäß. So entstand das geflügelte Wort „Diogenes in der Tonne“. Oskar der Grautsch aus der „Sesamstraße“ ist somit sein legitimer Nachfolger oder gar eine neuzeitliche Reinkarnation. Oskar lebt in einer Mülltonne. Während Diogenes’ Leidenschaft der Philosophie galt, widmet sich Oskar lieber dem Thema Müll – aber das nicht weniger leidenschaftlich. Spürbar wird dies in seinem Erkennungslied „Ich liebe Müll“. Es wurde erstmals in Staffel 1 der „Sesamstraße“ aufgeführt und mehrmals neu aufgenommen. Oskar philosophiert darin über besondere Gegenstände in seiner Müllsammlung, die er bewundert: einen zerfetzten und abgetragenen Turnschuh, eine 13 Monate alte Zeitung mit stinkendem Fisch darin eingewickelt, eine defekte Uhr, ein altes Telefon, einen kaputten Regenschirm und eine rostige Posaune.

Japan räumt auf

Bei der letzten Fußball-WM in Katar sorgten die japanischen Fans für eine der wenigen positiven Schlagzeilen. Nach jedem Spiel ihres Teams räumten sie den auf den Tribünen entstanden Müll weg. Ordentlichkeit wird dem japanischen Volk ja generell nachgesagt, und manchmal scheinen Klischees auch zu stimmen. Denn auch im Weltall wollen die Japaner*innen jetzt für Sauberkeit und Ordnung sorgen. Viele Satelliten-Konstellationen wie Starlink oder SpaceX bestehen aus Tausenden einzelnen Satelliten, und nicht alle verglühen nach ihrer Nutzungsdauer kontrolliert in der Atmosphäre. Dieser und anderer Weltraummüll stellen eine Gefahr für funktionierende Satelliten und die Internationale Raumstation ISS dar. In Japan wurde deshalb eine Methode entwickelt, die Schrott im Weltall aufsammeln soll. 2021 fand bereits der erste Testflug statt. 2030 soll der Regelbetrieb starten.

 
Erschienen in der zweiten Ausgabe von „Wir erzählen nur Müll“ im April 2023
Text: buero balanka
Fotos: Kanchanara / Unsplash, Ada K, Pixabay
 
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