Familiensache
Seit jeher ist die Nemetz Entsorgung und Transport AG ein Familienunternehmen. Das zentrale Geschäftsfeld hat sich zwar im Laufe der Jahrzehnte immer wieder gewandelt, aber den eigenen Idealen bleibt man stets treu.
Eine Meierei in der Hanglüßgasse im 15. Wiener Gemeindebezirk im Jahre 1898 stellt den Ursprung der Nemetz Entsorgung und Transport AG dar. Daraus entwickelte sich zum Beginn des 20. Jahrhunderts ein kleines Transportunternehmen – mit einem einzigen Pferdefuhrwerk. Bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs baute Gründer Karl Grünwald das Unternehmen auf bis zu fünf Lastkraftwägen aus. Während des Krieges wurden alle fünf konfisziert und vernichtet. Mit einem britischen Militärfahrzeug wurde nach dem Krieg die Transporttätigkeit wieder aufgenommen.
Herbert Prammer:
Ende der 1950er-Jahre hat sich mein Schwiegervater (Hubert Prammer, Anm. d. Red.) das erste Mal mit der Entsorgung von Baustellenabfällen beschäftigt, und es wurde auch viel Sand und Schotter von uns transportiert. Das ist ja heute für viele junge Leute unvorstellbar, aber damals wurden die Lastwagen noch händisch entladen – zwei Männer mit Schaufeln. Zwei Fuhren pro Tag sind sich da ausgegangen. Eine am Vormittag und eine am Nachmittag. Das war’s. Dann sind aber bald die ersten Kipper gekommen, und die Arbeitsleistung hat sich dadurch enorm gesteigert. Außerdem hat man sich bei uns im Unternehmen auch anderen Bereichen gewidmet. Wir waren zum Beispiel die Ersten, die in Wien Absetzmulden und Container zum Abtransport von Baustellenabfällen und Gewerbemüll eingesetzt haben. Unser Büro war bis in die 90er in der Hanglüßgasse in Wien.
Mario Prammer:
Daran kann ich mich auch noch erinnern. Ich war damals ein kleiner Bub. Heute wohne ich an derselben Adresse im 15. Bezirk. Das ist schon lustig. Die Betriebsstätte in Leopoldsdorf (Niederösterreich, Anm. d. Redaktion) wurde dann 1993 eröffnet. Zuerst war es nur eine Sortierstrecke in einer 1.400 m² großen Halle. Heute sortieren wir nicht nur Baustellenabfälle, sondern auch Industrie- und Gewerbeabfälle. Und vor allem PET-Flaschen. Es hat sich im Laufe der Jahre einiges bei uns getan. Selbst in der kurzen Zeit, in der ich im Unternehmen bin.
So kurz ist die Zeit dann auch wieder nicht, die Mario Prammer schon in der Nemetz Entsorgung und Transport AG mitarbeitet. Fast 20 Jahre sind es mittlerweile. Sein Vater ist seit rund 40 Jahren im Unternehmen tätig. Was Senior und Junior eint: Beide haben eigentlich nie geplant, in der Abfallwirtschaft zu arbeiten.
Mario Prammer:
Ich bin da halt irgendwie reingerutscht. Zuerst habe ich in den Ferien immer wieder ausgeholfen und hab nur nebenbei mitgearbeitet, bin in der Dispo gesessen. Und dann ist es immer mehr und mehr geworden. Ich habe aber auch viele andere Sachen ausprobiert und glücklicherweise niemals Druck von der Familie verspürt, dass ich das alles hier irgendwann einmal übernehmen muss.
Herbert Prammer:
Mario hatte seine Sturm-und-Drang-Phase, wo er schon auch Mist im Kopf hatte, aber halt ganz anderen (lacht). Ich muss allerdings ganz ehrlich sagen: Wenn man Teil eines Familienunternehmens ist, wünscht man sich schon, dass die eigenen Kinder das einmal weitermachen. Alles andere wäre gelogen. Aber gezwungen hätten wir Mario niemals. Das muss von selbst passieren. Ich bin ja auch mehr oder weniger zufällig zum Unternehmen gekommen. Eigentlich hatte ich damals meine Ausbildung zum Elektrotechniker beendet und wollte mich selbstständig machen. Ich war frisch verheiratet, und mein Schwiegervater hat mich gefragt, ob ich mir nicht vorstellen könnte, in seinem Unternehmen mitzuarbeiten. Weil die Branche spannend für mich schien, habe ich zugesagt und als Disponent begonnen. Damals waren wir elf Leute in der Firma.
Mario Prammer:
Die Abfallwirtschaft ist auch wirklich ein interessantes Feld. Man bekommt Einblick in so viele verschiedene Unternehmen. Das hat mir gleich von Anfang an gefallen. Außerdem wachsen wir als Firma, und dadurch gibt es immer wieder neue Bereiche, denen man sich widmen kann.
Herbert Prammer:
Darum ist es auch so wichtig, dass die junge Generation nachkommt. Mario kümmert sich auch um unser Marketing und die Digitalisierung. Das sind alles Sachen, die in meinen Anfangstagen noch nicht einmal existiert haben. Wir haben damals in der Buchhaltung noch mit Blaupapier gearbeitet, und im Büro in Wien hatten wir ein Vierteltelefon (beide lachen).
Mario Prammer:
Die Digitalisierung endet bei uns nicht bei der Sortieranlage. Da geht es auch um Vertriebswege. Beispielsweise haben wir einen Webshop aufgebaut, den wir jetzt für andere Entsorger lizenzieren. Gerade in diesem Bereich wollen wir nicht nur am aktuellen Stand sein, sondern eine Vorreiterrolle einnehmen. Das ist natürlich herausfordernd.
Die Ausrichtung der Nemetz Entsorgung und Transport AG hat sich seit ihrer Gründung immer wieder geändert. Geblieben sind die Werte, für die das Unternehmen und seine Mitarbeiter*innen stehen. Dabei bilden Kooperationen mit Mitbewerbern und langjährige Partnerschaften mit Kund*innen einen essenziellen Teil der Firmenphilosophie.
Herbert Prammer:
Seit jeher war es mir wichtig, langfristige Partnerschaften aufzubauen. Das war zu Beginn nicht immer ganz einfach – überhaupt in den Bundesländern. Wenn man da als Mitarbeiter eines Wiener Unternehmens nach Tirol kam, wurde man nicht nur mit offenen Armen empfangen (lacht). Und so lange man einander nicht geduzt hat, war man sowieso nicht akzeptiert. Mittlerweile können wir behaupten, dass wir in ganz Österreich Partner haben, mit denen uns langjährige Kooperationen verbinden, und auch viele Kunden, die uns seit Jahren die Treue halten. Was nicht selbstverständlich ist, weil der Preisdruck in unserer Branche sehr hoch ist.
Mario Prammer:
Mir geht es nicht darum, dass die Leute zu unseren Kunden werden, weil wir den besten Preis haben. Wir sind auch sicher nicht die Billigsten. Wir wollen guten Service, Qualität und Schnelligkeit bieten. Wir wollen den Menschen aber auch zeigen, dass wir uns Gedanken zu Themen machen, die für unsere Gesellschaft relevant sind, und unser Angebot dementsprechend adaptieren. Ökostrom ist da ein gutes Beispiel aus einer anderen Branche. Im Prinzip merkt man nicht, ob der Strom, der daheim aus der Steckdose kommt, aus Windkraft oder Atomkraft gewonnen wird. Überprüfen kann man es auch nur schwer. Aber man vertraut einem Versprechen, das ein Anbieter macht, und wählt diesen deswegen aus. Weil er ein Produkt verkauft, das dasselbe leistet wie die anderen Angebote auch, aber noch einen Mehrwert hat. Es wirkt sich positiv auf die Umwelt aus. Genau das wollen wir auch. Schließlich sind wir in einem Bereich tätig, in dem es darum geht, öklogisch sinnvolle Arbeit zu leisten.
Aktualisierte Fassung / Originalfassung erschienen in der ersten Ausgabe von „Wir erzählen nur Müll“ im Juni 2021.Text: buero balankaFotos: Ian Ehm