Unnützes Müllwissen - Teil 1

Im Disneyland steht alle 25 Schritte ein Mülleimer und in Deutschland gab es einen Fleck, der mit 800.000 Euro versichert war und versehentlich beseitigt wurde. Dieser Text erzählt Dinge, die man nicht wissen muss, die aber irgendwie unterhaltsam sind.

 

Viele Hintergründe und Fakten über Müll sind äußerst wichtig, sei es im Hinblick auf fachgerechte Entsorgung, Umweltverschmutzung oder Vermeidung von Abfällen. Es gibt aber auch Wissen, das nur dazu dient, damit prahlen zu können. Damit sich die Person gegenüber dann denkt: „Woher weiß man denn so etwas?“

Womöglich kann dieser Text aber auch junge Menschen bei der Studienwahl beeinflussen. Zumindest wenn sie sich für die Thematik der Abfallwirtschaft interessieren. In Amerika gibt es nämlich das Studienfach „Müllarchäologie“ und das ist aus soziologischer Sicht hochinteressant. Die Abfallzusammensetzung verrät nämlich einiges über die Lebensweise von Menschen. Manchmal sogar mehr als herkömmliche Forschungsmethoden. So zeigte sich etwa in einer Langzeitstudie, dass die Befragten doppelt so viel Chips, Speck und Schokolade aßen, als sie in der Befragung angegeben haben. Pionier auf dem Gebiet war William Rathje, ein amerikanischer Archäologe, der mit dem Tucson Garbage Project den Grundstein für die Disziplin legte.

Goldene Mülleimer und Löwengebrüll

Viel zu erzählen gibt es auch über Mistkübel. Beispielsweise aus der Welt von Walt Disney. Für die Produktion des Films „König der Löwen“ brauchte es natürlich Löwengebrüll. Dieses stammt jedoch nicht von echten Löwen, sondern von Synchronsprecher*innen, die in leere Mülltonnen brüllten. Im Disneyland steht übrigens alle 25 Schritte ein Mülleimer. Das wollte Walt Disney höchstpersönlich so, denn dieser Abstand entspricht exakt jener Anzahl an Schritten, die er brauchte, um einen Hot Dog zu essen. Dies besagt zumindest die Legende. Sehr viel Geld konnte man wiederum für die Mülleimer ausgeben der Künstlerin Sylvie Fleury ausgeben. Diese sind mit Gold überzogen und kosteten rund 12.000 Euro. In Mülleimern auf Flugzeugtoiletten ist übrigens ein automatischer Feuerlöscher eingebaut.

 

Nicht direkt mit Müll, aber mit einem Fleck bekam es eine Putzfrau im Museum Ostwall in Dortmund im Jahr 2011 zu tun. Genauso wie Abfall will man diese meist auch einfach loswerden. Folglich beseitigte sie den Fleck. Unangenehm wurde die Sache dadurch, dass es sich dabei um einen Kalkfleck handelte, der Teil des Kunstwerks „Wenn’s anfängt durch die Decke zu tropfen“ war und einen Versicherungswert von 800.000 Euro hatte.

Fett ist Kunst

Ähnlich erging es Joseph Beuys beziehungsweise seiner berühmten Fettecke. Der Künstler arbeitete in zahlreichen Werken mit Fett, unter anderem gab es eine Installation mit fünf Kilogramm Butter. Wenige Monate nach Beuys’ Tod entsorgte ein Hausmeister das Kunstwerk. Johannes Stüttgen, der die Eigentumsrechte an dem Werk beansprucht, fand die Überreste in einem Mülleimer und konservierte diese. In einem Prozess erhielt er eine Schadenersatzzahlung vom Land Nordrhein-Westfalen in Höhe von 40.000 Mark zugesprochen. Die im Abfalleimer gefundenen Überreste der Fettecke wurden 2014 im Zuge einer Performance zu Schnaps gebrannt und verköstigt. Der Schnaps soll geschmacklich an Parmesan erinnert haben und könnte als Form von Recycling bezeichnet werden. Und falls jemand in einer Quizshow gefragt werden sollte, was der Begriff „Recycling“ bedeutet: Die Bezeichnung leitet sich vom griechischen Wort „kyklos“ (Kreis) und dem lateinischen Präfix „re-“ (zurück, wieder) ab.

Was man sonst noch wissen könnte? Der höchste Berg im Stadtgebiet von Hannover war ursprünglich eine Mülldeponie, in Sachsen fährt man auf einem Müllberg Ski und in Kopenhagen auf dem Dach der Müllverbrennungsanlage, dem CopenHill. Der großgeschriebene Buchstabe inmitten eines Wortes – also etwa das H in CopenHill – nennt sich übrigens Binnenmajuskel. Das hat zwar nichts mit Müll zu tun, eignet sich aber bestimmt auch, um mit dem Wissen irgendwann einmal anzugeben.

 
 
Erschienen in der ersten Ausgabe von „Wir erzählen nur Müll“ im Juni 2021.
Text: buero balanka
Fotos: Xadartstudio, Press CopenHill
 
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